Rezension Belletristik

Auf ein Tässchen Milch mit Jason Bourne

Wer in der Nacht nicht schlafen kann und doch nur wieder die Schlafzimmer-Decke ansieht, auf die Stille der Dunkelheit hört und versucht, über den vergangenen und den kommenden Tag nachzudenken, der kann genauso gut aufstehen, sich eine Decke schnappen, in die Küche gehen und bei einem Tässchen Milch noch ein, zwei Stündchen lesen. So passiert vor zwei Wochen.

Schuld an allem waren David Webb und Carlos, der Schakal, die sich um die halbe Welt gejagt haben, immer wieder aufeinander trafen, um eine Spur aus Explosionen und Leichen zu hinterlassen.

„Das Bourne Ultimatum“ von Robert Ludlum hat recht wenig mit dem gleichnamigen Film zu tun. Im dritten Band der „Bourne-Reihe“ führt David Webb im Grunde genommen ein ruhiges Leben als Professor, der mit dem Kapitel, einmal Jason Bourne gwesen zu sein, schon abgeschlossen hat. Doch sein größter Feind, Carlos, hat ihn nach all den Jahren wieder gefunden und droht, nicht nur ihn, sondern auch seine Familie und Freunde in den Tod zu reißen. Jason Bourne ist zurück und nimmt die Verfolgung auf, denn Flucht und ständige Angst sind keine Option für den mittlerweile 50-Jährigen. Dass das sein Frau ähnlich sieht; damit hat er nicht gerechnet.

Wie immer ist der Roman über 800 Seiten stark, aber in jeder freien Minute möchte man weiterlesen, will wissen, wie der aussichtslose Zweikampf wohl enden soll. Spannend ist die große Rolle, die Robert Ludlum Webbs Frau Marie zuteilt. Sie lässt sich nicht einfach mit ihren Kindern in Sicherheit bringen, sondern schafft es – wohlgemerkt unentdeckt vom Geheimdienst! – ihren Mann in Paris aufzuspüren.

Ein wenig hat mich Carlos‘ unkontrolliertes Wesen irritiert. Die Rolle ist sehr aufbrausend und teilweise unkontrolliert, sodass es ihr an mancher Stelle an Authentizität fehlt.

Dennoch: Unbedingte Leseempfehlung!
Und unbedingt heute noch!
(Gerne auch die Nacht durch …)

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Robert Ludlum: „Das Bourne Ultimatum“
Wilhelm Heyne Verlag 2012

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