Tante Hatting

„Sprich hochdeutsch, mein Junge! Sonst denken die Leute noch, du wärest ungebildet“, sagte Tante Friedel und zog mir zu allem Übel auch noch die Schultern nach hinten. „Wie du wieder da sitzt …“, fügte sie kopfschüttelnd hinzu und nahm endlich wieder Platz. Vater hatte schon Recht. Es wäre wohl am besten, wenn ich ihr erst später erzählte, dass ich vor kurzem mein Studium abgebrochen hatte. Vielleicht ein paar Jahre später. Sie sah mich erwartungsvoll an.
„Na? Warum seid ihr hier? Brauchst du Geld?“
„Tante Friedel!“, empörte ich mich und biss mir auf die Lippen. Tante. Taan-Te. Ein zweiter Versuch: „Tante Friedel, ich woll-te dich be-su-chen, weil ich dir einen Besuch …“

Mist. Da war es wieder. Den Anfang vom Satz vergessen. Weiterlesen

China for Runaways – Kapitel 10

Alles mit? Irgendwas vergessen?

Wir sitzen im Flieger. Anscheinend hat der Pilot aber verschlafen, es geht einfach nicht los. Sitze umgeben von kleinen Menschen – die Moppel-Brüder neben mir, Carsten vor mir, hab mich also lieber noch nicht umgedreht, wer weiß, wer da noch so rum sitzt … Habe mir einen Fensterplatz ergattern können und ein Glück, dass mein Buch noch so viele Seiten hat. Außerdem habe ich mir Zeitungen geben lassen: eine chinesische und The Wall Street Journal Europe. Also wenn es langweilig wird. Weiterlesen

China for Runaways – Kapitel 9

Das Ende kann ich schon fast erahnen

Der Tag hat verhältnismäßig gut begonnen mit eigenem Toast und eigenem Kaffee. Gerade im Bus wurde beschlossen, dass morgen woanders gefrühstückt wird. War wohl heute doch nicht so toll. Habe ich da einen Funken Schadenfreude in mir?! Ich denke, ja. Heute Abend soll Pekingente probiert werden – deutsche Pekingente keine Pekingente, weil nicht Entensorte aus der Nähe von PEKING!! Weiterlesen

China for Runaways – Kapitel 8

Gefühlsschwankung, Gefühlsschwankung ja

Unser gutsbester Stadtführer stadtführt uns jetzt zum Himmelstempel, Himmelstempel ja. Auf der Fahrt zum Hotel war Schall im Mikrophon, Mikrophon ja. Und außerdem, außerdem wiederholt er die letzten Worte im Satz, im Satz ja. Und auch, auch zwischendurch spontan, spontan ja. Zum Glück: Ich habe meinen Disc-Man mit in Beijing, mit in Beijing ja. Wird jetzt also zum Einsatz kommen, kann sich ja kein Mensch anhören hier, anhören hier ja. Weiterlesen