China for Runaways – Kapitel 8

Gefühlsschwankung, Gefühlsschwankung ja

Unser gutsbester Stadtführer stadtführt uns jetzt zum Himmelstempel, Himmelstempel ja. Auf der Fahrt zum Hotel war Schall im Mikrophon, Mikrophon ja. Und außerdem, außerdem wiederholt er die letzten Worte im Satz, im Satz ja. Und auch, auch zwischendurch spontan, spontan ja. Zum Glück: Ich habe meinen Disc-Man mit in Beijing, mit in Beijing ja. Wird jetzt also zum Einsatz kommen, kann sich ja kein Mensch anhören hier, anhören hier ja.

Also das war doch mal richtig sinnlos. Hin-, her- und wieder weglaufen. Wir schwitzen um die Wette, und die Händler könnten aufdringlicher nicht sein. Wenn ich an dieser Stelle noch den Fahrstil des Busfahrers analysieren würde … aber ich tu es zum Glück nicht. Ist für alle Beteiligten das Beste.

Peking ist mir höchst unsympathisch gemacht worden, und ich denke, das liegt nicht zuletzt an dieser Pfeife von Touristenführer. Er schleicht so dahin – wobei dieses Wort noch viel zu viel Schnelligkeit ausdrückt – durch die größte Mittagshitze, kennt den Weg dann ein paar Male nicht (Hallo? Ich dachte das wäre eine Voraussetzung für den Titel „Touristenführer“?), dreht also um, sammelt unsere Truppe aller 5 Minuten und diese Wiederholungen in den einzelnen Sätzen treiben mich noch zur Weißglut – Nerventötung im höchsten Stil.

Nach der Schwitzaktion dann der Hammer des Tages: Wir stiegen nicht wieder in den selben Bus ein! Man hatte unsere ganzen Taschen so wie sie eben waren auf die vordersten Sitze eines neuen Busses geschmissen. Meine Tasche war sperrangelweit offen gewesen, das Kissen lag wo ganz anders. Hass. Hass. Hass!! Doch nun mal touristentechnisch. Wir waren in der verbotenen Stadt und ich muss gestehen: Ich konnte mir wegen der gesamten Atmosphäre kein gutes Bild machen. Und vielleicht zu wiederholten Male: Sommer ist keine gute Zeit für einen Chinabesuch.

Wir sind glücklich, wie schon lange nicht mehr. Nach dem Essen, das wir nicht in unserem Hotel hatten, sind wir gerade im Supermarkt gewesen und danach bei McDoof!! Nun ist frischer Nescafé aufgebrüht und sowohl Wasser- als auch Colareserven aufgefüllt. Zudem – weil das Frühstück doch etwas ganz sehr schlecht war – haben wir uns Muffins gekauft, von denen man hofft, dass sie unseren Ansprüchen gerecht werden. Wir gedenken also den morgigen Tag nach dem persönlichen Frühstück am Bett zu starten. Auf dem Plan stehen die Große Mauer und eines von den Ming-Gräbern. Zwischendurch werde ich mich wohl beschallen lassen müssen, weil einen diese Sprechweise wirklich im Innersten aufregt, und die Fahrt sicher über eine Stunde dauern wird, da die Mauer wohl 70 Kilometer von Peking entfernt ist.

Man kann übrigens jetzt schon T-Shirts für Olympia 2008 kaufen! Die Händler … ich lass es. Die Dusche in unserem Zimmer ist übrigens komisch. Man springt hier zur Abwechslung mal von einem brennend-heißen Tropfen zum anderen ar…kalten. Übermorgen geht’s auch schon wieder in Richtung Süden und Suzhou. Und gerade (nach dem genüsslichen Verzehr des McChicken) gucken wir nebenbei CCTV9-News und tun ein bisschen gebildet.

Weiterlesen: Kapitel 9 – Das Ende kann ich schon fast erahnen

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Café au lait
Dorante Edition 2008
Seite 197 ff.

Hier erhältlich.
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2 Gedanken zu “China for Runaways – Kapitel 8

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