Digitale Vorsorge

Hand hoch! Wer hat sich auch schon einmal gefragt, wie das eigentlich so alles weitergeht, wenn man nicht mehr ist? Also digital gesehen? Ihr lieben Blogger? Ihr lieben Influencer auf den vielen Social Media Kanälen? Ihr lieben Storyteller, Businessmoderatoren und Content Strategen? Zum Thema Digitale Vorsorge nichts zu sagen? Nein? Niemand? Oh.

Mitte November haben sich bei der degina insgesamt 22 Vorträge, Workshops und Podiumsdiskussionen rund um das digitale Leben, den digitalen Nachlass und das digitale Nachleben gedreht. Denn die große Frage ist ja:

Was passiert mit unseren Daten, Profilen, Abos und Kundenkonten im Netz, wenn wir nicht mehr da sind?

Und je länger man darüber nachdenkt, desto mehr politische, rechtliche und wirtschaftliche Protagonisten spielen plötzlich eine Rolle.

Das Internet stellt eine Art digitales Tagebuch dar – davon sprechen viele. Daten-Giganten wie Google und Facebook wüssten bereits jetzt mehr von einer Person, als deren engste Angehörige. Und doch ist vielen Usern ihr digitales Selbst nicht bewusst. Sie hinterlassen ihren Liebsten eine große Last der Verantwortung. Diese müssen nachträglich entscheiden, welche Daten wichtig sind und welche nicht, entdecken möglicherweise gut gehütete Geheimnisse oder kommen rechtlich gar nicht an die Daten heran. Stolpersteine wohin man blickt. Aber schon zu Lebzeiten Vorsorge zu treffen, ist äußerst schwierig, denn eine allgemeingültige Lösung gibt es nicht. Wo und wie können wir damit beginnen, unser digitales Leben aufzuräumen?

Zum einen braucht es wohl dringend eine aktuelle Gesetzeslage. Zum anderen muss das Thema in Familie besprochen werden. Immer verbunden mit der Frage, wem wir welche Daten anvertrauen und wie die Erben im Todesfall vertrauensvoll damit umgehen sollen.

Die Frage, wie wir unsere Daten am besten organisieren, archivieren und schützen können, betrifft durchweg alle Branchen. „Einerseits brauchen wir klare Regelungen von oben, andererseits starke Ideen von unten“, so Mitveranstalter Alexander Pinker. „Wir haben deshalb im Vorfeld der digina auch ganz gezielt versucht, die Start-up-Szene zu aktivieren und den Gründergeist zu wecken. Eine Aufgabe, die sicherlich noch die nächsten Jahre auf uns wartet.“ Wie schnell etablierte Unternehmen und Online-Giganten nachziehen, wird die Nachfrage zeigen. „Google und Facebook haben bereits eigenständige Lösungen entwickelt. Aber wie vertrauenswürdig sind sie? Und will ich wirklich bei jedem einzelnen Anbieter ein anderes Verfahren haben?“ fragt David Sporer, IT-Beauftragter im digina-Team. „Ohne einen grenzübergreifenden technischen Standard geht es meiner Meinung nach nicht. Und den kann es auch nur von einem unabhängigen Konsortium geben.“ Doch ganz gleich, welche Lösung oder Lösungen es einmal geben wird, bleibt die grundlegende Frage die nach dem Vertrauen. Denn das müssen wir in die Zukunft, in die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, in uns selbst und in unsere Angehörigen haben. Vertrauen ist schließlich das wertvollste Gut, das wir nach dem Tod hinterlassen.

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