Oh, my music! Social Media im Kulturbereich

Der Musik- und Kulturkonsum hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Auch hier ist die klassische “Zielgruppe” von Kommunikationsmaßnahmen vom reinen Konsument zum Produzent und Sparringspartner geworden. Social Media nimmt bereits jetzt einen beachtlichen Teil der Public Relations Maßnahmen ein. Doch wie lassen sich die verschiedenen (neuen) Kanäle optimal für den Kulturbereich einsetzen? Ich habe Anika Jankowski, Geschäftsführerin Oh, my music! Publisher (omm), zu den aktuellen Entwicklungen befragt.

Annett Bergk: Auf eurer Homepage formuliert ihr: “Weil Musik so selbstverständlich ist, bedarf sie auch einer hingebungsvollen Förderung und eines aufmerksamen Schutzes.” Wie genau setzt ihr diese hohe Zielsetzung in Maßnahmen um?

Anika Jankowski: Die Förderung besteht bei uns aus einem engen persönlichen Kontakt. Vor jedem Vertragsabschluss fragen wir uns, ob wir mit den Urhebern auf einer freundschaftlichen Basis zusammenarbeiten wollen. Stimmt die Chemie nicht, kommt der Vertrag nicht zustande. Wenn wir dann zusammenarbeiten, erhält jeder omm Künstler vollen Zugriff auf unser Wissen und unser Netzwerk.

Wir verstehen omm als Community. Wir laden zweimal jährlich zu einem Treffen aller Künstler ein, wobei jeder seine Erfahrung weitergibt. Außerdem bezahlen und fördern wir Weiterbildungen für unsere Urheber. Das müssen nicht nur Co-Writing-Sessions sein, das können auch Kurse zum Thema “Steuererklärung für Musiker”, “Festivalbooking”, “Verträge” o.ä. sein.

Schutz bieten wir den Urhebern mit einer Dokumentation ihrer Werke. Sollte es zu einem Rechtsstreit kommen, können wir Tonspuren und zum Teil Noten vorlegen. Wir beschützen unsere Urheber aber auch vor Abzocke, indem wir u.a. Verträge prüfen.

Annett Bergk: Was braucht ein Musiker heute, um erfolgreich zu sein?

Anika Jankowski: Musiker benötigen ein Alleinstellungsmerkmal; also etwas, das sie von anderen abhebt. Außerdem braucht es ein dickes Fell, viel Ausdauer und Fleiß. Gerade am Anfang versuchen bzw. müssen aufstrebende Musiker alles alleine machen. Ab einem gewissen Punkt sind aber starke Partner (Booking-Agenten, Label, Verlag, Management …) unabdingbar. Und es bedarf Glück!

Annett Bergk: Wie begegnet ihr als Verlag der großen Genrevielfalt? Spielt das Genre für die Kommunikationsplanung eine entscheidende Rolle?

Anika Jankowski: Im Gegensatz zu Label oder einer Booking-Agentur können wir uns als Verlag die große Genrevielfalt leisten, da unsere Hauptaufgaben die Arbeit mit der GEMA und die Lizenzierung der Stücke darstellen. GEMA-Abrechnungen bleiben im Bereich der Unterhaltungsmusik immer gleich – egal ob Punkrock oder Singer-Songwriter. Lizenznehmer sind Werbe- oder Filmagenturen. Diese sind dankbar für ein breitgefächertes Portfolio, da sie je nach Kunden immer einen bestimmten Klang suchen, je nach Endprodukt oder Stimmung im Film.

Annett Bergk: Business ist nicht mehr nur reines Business. Viele Künstler präsentieren sich in den Social Media im wahrsten Sinne ungeschminkt und privat. Ist das der Weg der Kulturkommunikation?

Anika Jankowski: Soziale Netzwerke sind für Künstler extrem wichtig geworden. Mit diesen Medien erreichen sie direkt ihre Fans. Das ist ein Geschenk, bedenkt man, dass dies vor zehn Jahren nur den Major-Künstlern mit großem Budget möglich war. Ob sich die Musiker nun ungeschminkt präsentieren, oder als Kunstfigur á la Lady Gaga: Dafür muss jeder seine eigene Strategie entwickeln. Egal welche Richtung eingeschlagen wird: Authentisch muss es sein, um beim Publikum zu funktionieren.

Annett Bergk: Der PR stehen klassischer Weise vielfältige Instrumente zur Verfügung: Pressemitteilungen, Interviews, Event-Ankündigungen etc. Welche sind die von euch bei der Künstler-Kommunikation bevorzugten?

Anika Jankowski: Als Verlag geht es uns darum, unsere Urheber und deren Stücke zu fördern. Deshalb organisieren wir Co-Writing-Sessions, sodass andere Interpreten die Songs unserer Urheber präsentieren, oder versuchen unsere Stücke in Werbung und TV unterzubringen. Hier kommt es auf die Quintessenz des Business an: persönliche Kontakte und gute Musik.

Wenn wir die Bewerbung der Urheber unterstützen, welche auch live stattfinden, dann setzen wir auf Facebook-Werbung, Einladungen an Fachpublikum und klare Bildsprache.

Annett Bergk: Zu guter Letzt: Welche Rolle spielt das Thema “Full Service” bei euch? Wie genau werdet ihr “zum Teil des Soundtracks”?

Anika Jankowski: Wir bieten unseren Künstlern den “Full Service”, da wir mehr machen, als ein klassischer Verlag. Wir arbeiten nicht mit 360° Verträgen, wie Major Labels, aber wie erwähnt, führen wir regelmäßige Verlagsgespräche mit unseren Musikern. Hier geht es um die Zur-Verfügung-Stellung unseres Netzwerks, die Hilfe zur Selbsthilfe durch geförderte Weiterbildungen, bis hin zu Booking-Tipps und Lebensberatung. Und das hört man eben auch in den Songs.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.