Grafikdesign,  Programmierung

Rot, Grün, Barrierefrei: Barrierefreiheit im Web-Design

„Entschuldigung, kann ich Ihre Website bitte auch nutzen?“

Das klingt vielleicht wie eine alberne Frage, fasst den aktuellen Stand der Barrierefreiheit im Web-Design aber eigentlich ganz gut zusammen. Im denglischen Programmiererumfeld wird gerne von Accessibility gesprochen – das klingt zwar deutlicher sexier als die deutsche „Barrierefreiheit“, geht aber irgendwie noch nicht weit genug. Barrierefreiheit heißt, dass Barrieren gar nicht erst aufgebaut werden – so werden barrierefreie Web-Inhalte nicht nur zu einer alternativen Sonderlösung, sondern zu einem selbstverständlichen Bestandteil, nein, sogar zum Herzstück jeder Website und Web-Anwendung. 

Das World Wide Web Consortium – kurz W3C – hat sich als Gremium zur Standardisierung von Web-Techniken ebenfalls mit dem Thema Barrierefreiheit auseinandergesetzt und einen Leitfaden für die Programmierung von barrierefreien Websites erstellt. Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) sind aktuell noch eine Empfehlung – ab dem 23. Juni 2019 aber für Webangebote und mobile Anwendungen von öffentlichen Stellen verbindlich. Das Thema Wahrnehmbarkeit nimmt innerhalb der Richtlinien eine entscheidende Rolle ein und macht aus barrierefreiem Programmieren so auch eine Designfrage. Aha. Aha. Aha.

Rot, rot, rot ist alles was ich hab?

Das Schriftgröße 4 nicht unbedingt ideal für Websites ist, dürfte heute zum Glück Allgemeinwissen sein. Die Farbwahl findet bisher aber weniger Beachtung – dabei sind Farben maßgeblich an der Barrierefreiheit einer Website beteiligt. Statistisch gesehen leiden 8% der Männer und ca. 0,5% der Frauen weltweit an einer Form der Farbenblindheit – allein in Deutschland sind das 4 Millionen Menschen. Am weitesten verbreitet ist die Rot-Grün-Schwäche, bei der die beiden Farben nicht richtig wahrgenommen werden können. Ein Hinweis wie „Fehlerhafte Felder sind rot markiert“ hat damit für Nutzer mit einer Farbenfehlsichtigkeit ein hohes Frustrationspotenzial. Korrektur: Für 4 Millionen Nutzer. 

Das soll nicht heißen, dass die beiden Farben ab sofort aus dem Webdesign verschwinden müssen, sondern dass Farbe nicht das einzige visuelle Mittel sein sollte, um Elemente voneinander zu unterscheiden. 

Klingt einfach? 
Ist es auch. 

Und das Beste: Von einer klaren Farbwahl und einem verständlichen Design profitieren nicht nur Nutzer mit Farbenblindheit, sondern alle Nutzer. Das gilt übrigens auch für weitere Aspekte der Barrierefreiheit: Blogcasts sind zum Beispiel nicht nur für Menschen mit einer Seheinschränkung gedacht, sondern auch bei Pendlern, Kopfhörerliebhabern und Aufgabenjonglierern beliebt.

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