Programmierung,  Rezension Fachliteratur

Silicon Valley: Land der unerschütterlichen Optimisten

Ich beschäftige mich seit längerem mit dem Thema Start-up-Kultur in Deutschland. Mit der Initiative #FOMPreneurs beispielsweise haben wir in diesem Jahr versucht, Studenten auf die Gründung eines Unternehmens vorzubereiten und wesentliche Fragen zu Finanzierung, rechtlichen Rahmenbedingungen und Marketing-Maßnahmen zu beantworten. Und auch als PR-Beraterin habe ich das eine oder andere Start-up begleitet. Im internationalen Vergleich merkt man jedoch schnell: Deutschland ist anders. Die Start-up-Kultur ist eine andere als im Silicon Valley, wo die guten Ideen (und Millionäre) aus dem Boden schießen. Doch woran liegt das? Dr. Mario Herger ist in seinem aktuellen Buch „Das Silicon Valley Mindset“ dieser Frage auf den Grund gegangen.

Allen Start-up-Gründern gemein sind gewisse Charakterzüge. Sie geben sich mit dem Status quo nicht zufrieden. Sie wollen wirklich die Welt verbessern und eine positive Veränderung bewirken. Sie glauben, dass Wandel prinzipiell gut für die Welt und die Gesellschaft ist. Sie sind ehrlich an einem Problem interessiert und von ihrer Idee begeistert. Sie sind leidenschaftlich. Sie sind furchtlos beim Herangehen an ein Problem und zeigen Risikofreude. Sie glauben, dass Probleme mit Technologie gelöst werden können. Sie lassen sich von Rückschlägen nicht gleich unterkriegen. Sie glauben daran, es schaffen zu können. Sie sind unerschütterliche Optimisten. (S. 69)

In sechs Kapiteln fragt Herger, warum das Silicon Valley wichtig für Europa ist, geht den Ursprüngen „dieser Weltverbesserer“ auf den Grund, schaut auf Ökosystem und Verhaltenssystem, erklärt ausgewählte Trends und zeigt schlussendlich auch die Bedeutung Europas für das Silicon Valley auf.

Gefallen hat mir dabei auch der kritische Unterton bezüglich der europäischen und deutschen Herangehensweise an Innovationen. Ein schönes Beispiel ist die derzeitige Debatte um Industrie 4.0, die vorrangig von der Politik und weniger von der Industrie getrieben ist. Ein Wachstumsmodell, in dem Regierung und Behörden im Zentrum stehen, gibt es im Silicon Valley nicht. Politik ist nur eine Randnotiz. Wesentlich sind die Universitäten. In Europa sieht es hingegen eher so aus, dass die universitäre Innovationsrolle ausschließlich forschungsbasiert betrachtet wird. Das sollte doch zu denken geben.

Für mich ist das Buch von der ersten Seite an sehr unterhaltsam. Die lockere Schreibe des Autors macht das (aus deutscher Sicht schwere) Thema zu einer Reise durch die Geschichte – vom Wilden Westen über Edison hin zu Jobs und Brawley. Gespickt mit tollen Zitaten, Porträts und Fallbeispielen ist auch der Einstieg an jeder beliebigen Stelle kein Problem. Und so macht der Anteil an motivierenden Formulierungen „Das Silicon Valley Mindset“ zu einer Art Gründer-Bibel.

Zu empfehlen für Schüler und Studenten, Absolventen und Professoren, Akzeleratoren und Inkubatoren, Träumer und Realisten. Und nein. Man muss nicht ins Silicon Valley ziehen, denn:

Das Silicon-Valley-Denken ist kein Mindset, das nur in diesem geografisch beschränkten Raum anzutreffen wäre. Du kannst dir diese Denkart gemeinsam mit anderen auch bei dir zu eigen machen und sich bietende Chancen ergreifen. Du hast es in der Hand. … Worauf wartest du noch?(S.397)

Hier gibt’s eine Leseprobe!

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Mario Herger: “Das Silicon-Valley-Mindset: Was wir vom Innovationsweltmeister lernen und mit unseren Stärken verbinden können”
Hier erhältlich.

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