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Slow Blogging: Darf man das?

Slow Blogging“Mit Slow Blogging entspannt zum Erfolg.” “Die Kunst des Entschleunigens.” “Weniger ist mehr.” “Diese Woche Pause.” Was steckt hinter dem Trend Slow Blogging und darf man das eigentlich? Macht das überhaupt Sinn? Ich habe mich mit Jennifer Gross, der Gründerin von Blogger@Work, unterhalten.

Annett Bergk: Der Nicht-Slow-Blogger gilt als Publizist, der an der Oberfläche kratzt oder gar redundante Artikel schreibt, die für User (und Google) zwar quantitativ eine Rolle spielen, qualitativ jedoch hinter denjenigen der Slow-Blogger zurück bleiben. Wie ist deine Einschätzung?

Jennifer Gross: Dahinter steht ja die Aussage, dass schnell nicht gut und langsam automatisch besser ist. Dem kann ich insofern nicht zustimmen, als dass es auf die Sparte und den Hintergrund des Verfassers ankommt. Ich möchte meinen, dass ein Food-Blogger schon durch den Aufwand, der nicht am Computer selbst zustande kommt, langsamer ist, als ein Journalist oder Blogger, der sich mit den Themen Marketing und Social Media beschäftigt. Zumal die “echten” Hobby-Blogger das schnelle Recherchieren und Schreiben wahrscheinlich zuvor nicht gelernt haben. Meine Wahrnehmung ist, dass hier zuerst das Hobby und dann das Bloggen kommt. Die Arbeit an einem Artikel ist in dem Fall echte Arbeit, die mit Aufwand und Zeit verbunden ist.

Annett Bergk: Gerade Blogger-Einsteiger übernehmen sich oftmals und können direkt in ein „Blogger-Burnout“ geraten. Ist Slow Blogging dann deiner Meinung nach die beste Therapie?

Jennifer Gross: Man sollte sein Hobby grundsätzlich nicht zu einem Stressfaktor werden lassen. Das ist nicht der Sinn der Sache. Jeder sollte so schnell und ausführlich agieren, wie er kann und will. Ich erlebe oft, dass nach – wie auch immer zustande gekommenen – Lücken auf dem Blog plötzlich mehrere Posts hintereinander geschaltet werden. Dann fehlt es wieder an den letzten entscheidenden Minuten für jeden Eintrag, in denen noch einmal der Qualitäts-Check vorgenommen werde sollte. Habe ich alle Keywords drin? Wie steht es um die Lesbarkeit? Habe ich die Bilder ordentlich beschriftet und kleiner gerechnet? Diese Feinarbeiten, die für das Finden im Netz wesentlich sind, werden dann außer Acht gelassen. Die eigene Arbeit wird nicht bestmöglich verkauft.

Annett Bergk: Es ist also schwierig, Fast- und Slow-Blogging ins Verhältnis zu qualitativen Ansprüchen zu setzen. Unterm Strich sollte das Hobby auch ein Hobby bleiben. Wir könnten gemeinsam eine Kampagne gegen Blogger-Burnout kreieren mit dem Titel: “Macht euch keinen Stress! Macht es für euch!”

Jennifer Gross: (schmunzelt.) Das wäre eine Maßnahme. Obwohl man natürlich sagen muss, dass abgesprochene Deadlines im Rahmen von Kooperationen eingehalten werden müssen.

Annett Bergk: Das heißt, die Unterscheidung sollte nicht zwischen Fast und Slow, sondern zwischen privat und kommerziell getriebenen Zielen vonstatten gehen.

Jennifer Gross: Das denke ich schon. Aber in jedem Fall würde ich auf Fokussierung setzen. Wofür steht der Blog? Welche Stärken hat der Blogger? Was ist denn direkt vor der Tür? Was macht mir Spaß und warum überhaupt habe ich angefangen zu bloggen? Authentizität ist in letzter Zeit genau das, was ich in manchen Blogs vermisse. Und dann ist es mir auch egal, wann und wie oft Inhalte publiziert werden.

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