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„Vielleicht sollten wir das Traineeship anders nennen“ – GPRA zu Besuch bei campus relations

Das Thema Traineeship hat im letzten Jahr zweifelsohne einen Knacks bekommen. Studierende der PR und Kommunikation sehen sich als unter Wert gehandelte Brancheneinsteiger; Unternehmen und Agenturen wiederum reagieren nur langsam auf die Entwicklung in Richtung Arbeitnehmermarkt. Die Situation ist von Intransparenz gezeichnet. Fakten müssen auf den Tisch. Am 26. April lud deswegen das „PR-Journal“ an denselben und besuchte gemeinsam mit der Gesellschaft PR- und Kommunikationsagenturen (GPRA) die Studierendeninitiative campus relations e.V. in Münster.

Es ist viel übereinander gesprochen worden, aber nicht miteinander

Knapp 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich auf den Weg gemacht, um bei der Diskussion um den Branchennachwuchs an der Westfälischen Wilhelms-Universität dabei zu sein. Neben Jelena Mirkovic, Mitglied des Präsidiums der GPRA und geschäftsführende Partnerin bei komm.passion, standen auch Niklas Groß und Laura Woeller, beide Junior Consultants bei Ketchum Pleon, Maria von Wirth, Consultant bei Koob, Sophie Horstmann, Junior Account Executive bei Ogilvy, Bianca-Maria Hartmann, HR Manager bei Ogilvy, und Jana Lüneberg, Trainee bei segmenta communications, Rede und Antwort.

„PR-Journal“-Chefredakteur Thomas Dillmann sorgt für beschwichtigende Töne in der Nachwuchsdebatte.

„Es ist viel übereinander gesprochen worden, aber nicht miteinander. Das wollen wir ändern“, sagt „PR-Journal“-Chefredakteur Thomas Dillmann. Daher macht sich die Redaktion gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus den GPRA-Agenturen auf den Weg zu einer Roadshow, die vor allem den künftigen Berufseinsteigern an den verschiedenen Hochschulstandorten Orientierung bieten soll. So wurde in Münster offen über das Für und Wider von Traineeships gesprochen. Besonders hilfreich dabei: die Schilderungen der Agenturvertreterinnen und -vertreter, die selbst einen solchen Berufseinstieg absolviert haben oder noch absolvieren.

Worin besteht der Nutzen eines Traineeships?

„Wir sind der Meinung, dass ein Traineeship für einen Zeitraum angedacht werden sollte, der nicht länger ist als notwendig“, hält Charlotte Möller, Vorständin bei campus relations, gegen. „Wenn wir angelernt sind, dann sollten wir auch anfangen dürfen zu arbeiten.“ Es herrsche einfach kein einheitliches Verständnis über den Nutzen eines Traineeships, führt sie weiter aus, und trifft damit wohl des Pudels Kern. Manche Programme dauern sechs Monate, andere sogar 18 oder 24. Manche Programme ermöglichen dem Trainee in fast alle Bereiche des Agenturalltags zu schnuppern, andere setzen voraus, dass man sich bereits vorher entschieden hat, in welche Richtung es gehen soll.

„Die klassische PR-Agentur, bei der ich damals noch als Trainee eingestiegen bin, die gibt es so in der Form nur noch ganz selten“, sagt Mirkovic. „Es ist unüberschaubarer geworden, auch weil die Anforderungen an die Kommunikationsagenturen sehr gestiegen sind. Es gibt dementsprechend unsagbar viele unterschiedliche Job-Profile in den einzelnen Agenturen.“ Doch als Ausrede möchte sie das nicht gelten lassen: „Wir haben uns diese Aufgabe auf die Agenda gesetzt. Wir müssen für mehr Transparenz sorgen. Zum einen gehört dazu, den Mehrwert eines Traineeprogramms darzustellen. Zum anderen sollten wir den Einstieg so leicht wie möglich machen. Hier arbeiten wir aktuell unter anderem auch an einer Zusammenstellung der Traineeprogramme in den GPRA-Agenturen, die auf unserer Website zum Download bereitstehen werden.“

Individualität, Individualität, Individualität

Worauf sich die Gesprächspartner schnell committen: Es muss einen Übergang von der Studien- zur Praxisphase geben. Dieser sollte zeitlich begrenzt und individuell begleitet werden.

„Gerade rückblickend kann ich bestätigen, dass man sich frei von gewissen Zwängen und Verantwortlichkeiten entwickeln kann“, sagt Groß. „Im Trainee-Programm selbst gibt es bei uns gewisse Standards, doch die Gestaltung ist sehr individuell.“ Lüneberg stimmt zu: „Ich habe von Beginn an gesagt, dass ich auch in andere Bereiche einmal reinschnuppern möchte. Es geht ja letztendlich darum, dass alle etwas davon haben.“

„Man hat eine Art Welpenschutz, du darfst aber alles machen, wenn du es dir zutraust – und auch die Reaktionen annimmst“, sagt Horstmann. „Ich erhalte umfangreiches Feedback. Und das eben nicht nur mit kleinen Kommentaren am Rande einer A4-Seite, sondern manchmal zwei, drei oder vier Stunden. So lange, bis wirklich alle Fragen geklärt sind.“

Parallel zum Masterstudium absolvierte von Wirth ihr Traineeship – auch eine sehr individuelle Absprache mit ihrem damaligen Arbeitgeber. „Zwei Tage Studium in der Woche und drei Tage arbeiten – das war gerade in der Endphase meiner Masterarbeit super. Der Unterschied zum vorangegangenen Job als studentische Aushilfe war zum einen der konkrete Kundenkontakt. Ich war nicht mehr nur im Hintergrund, sondern habe direktes Feedback bekommen. Zum anderen hatte ich natürlich mehr Entwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.“ Der Schlüssel zur individuellen Ausgestaltung ist dabei ihrer Meinung nach das offene Gespräch. Wer seine Ziele von Beginn an kommuniziert, kann mit dem Arbeitgeber gemeinsam eine Lösung für den Weg dahin entwickeln.

Ein neuer Name für das ungeliebte Kind

Trotz all der positiven Töne und einsichtigen Rückblicke bleibt die Frage, warum das Traineeship einen so schlechten Ruf unter den Studierenden hat.

„Ich vermute, es ist Unaufgeklärtheit der Studis“, sagt Möller. „Es kursiert das Bild, das Traineeship sei ein Jahr schlecht bezahlte Arbeitskraft, die gut ist für den Arbeitgeber. Dieser negative Eindruck wird nicht zuletzt durch die sozialen Netzwerke unterstützt. Wir haben den Eindruck, dass wir als Arbeitskraft nicht ernstgenommen werden.“

Es fehlt dem Traineeship selbst also an guter PR. Wie wäre es mit einem „Marken-Relaunch“? Könnten die Trainees dieser Welt künftig beispielsweise „Junior Account Executive“ heißen? Eine nicht ganz unraffinierte Lösung.

„Darüber nachzudenken, wie wir das ganze nennen, ist ein valider Punkt“, stimmt Mirkovic zu, „viel wichtiger ist aber, das, was dahinter steckt, gut zu erklären. Und Traineeships so zu gestalten, dass Trainees in dieser Zeit bestmöglich in ihrer persönlichen Entwicklung gefördert werden. Meines Erachtens ein zentraler Mehrwert.“ Berater-Karrieren gibt es zwar immer noch, doch auch Spezialisten-Karrieren sind nun ein Weg durch die Agenturen.

Bleibt zu hoffen, dass die GPRA alsbald eine inhaltliche Beschreibung von Stellen und Karrierewegen in Agenturen liefert. Ein gutes Traineeship ist von außen wahrlich schwer zu erkennen. Und so pochen die Studierenden auf mehr Transparenz.

Nach dem zweiten Termin der GPRA-Roadshow in Münster stehen vier weitere Termine in diesem Jahr an. Besucht werden sollen die Studierendeninitiativen aus Hohenheim, Mainz, Leipzig und Lingen. Für 2020 stehen weitere Hochschulen auf der Agenda.

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